INFOTHEK ZU HUNDETHEMEN AUS DREI BLICKWINKELN

Augenblick mal!

Hier finden Sie in unregelmäßigen Abständen neue Beiträge rund um den Hund, manche informativ / wissenswert, manche um mal ein bisschen zu schmunzeln. Ab und zu rein schauen lohnt sich!

 

Januar 2019

Ein Gedankenspiel…

Das Szenario ist den meisten bekannt, vielleicht erkennt sich sogar jemand wieder: Ein junges Paar, nennen wir sie Cordula und Marcel, zieht zusammen, ins Grüne, ein kleines Haus mit Garten, sie bekommen zwei Kinder. Dann ergeht der Entscheid: Ein Hund soll die Familie ergänzen. Ist gut für die Kinder, wenn sie mit einem Tier aufwachsen, sie lernen Verantwortung zu übernehmen, und was es bedeutet, für ein Lebewesen da zu sein. Marcel wollte heimlich auch schon immer einen Hund, schlimm genug dass er als Kind keinen haben durfte, und am liebsten einen großen Hund, einen, der aufs Haus aufpasst! Cordula ist am Anfang nicht überzeugt, sie ahnt schon an wem die Arbeit hängen bleiben wird die das Tier macht, sie sieht sich bereits putzen, mit dem Hund spazierengehen und all die anderen Arbeiten verrichten für die die Kinder noch zu klein sind und für die Marcel keine Zeit hat oder die eben „Frauensache“ sind. 

Dennoch, die Kinder sind Feuer und Flamme und versprechen hoch und heilig, sich um den Hund zu kümmern, zu füttern, spazieren zu gehen, und was man so tut. Also fängt die Recherche an. Was für ein Hund soll es sein? Woher bekommt man eigentlich einen Hund? Ein „gebrauchter“ Hund aus dem Tierheim um die Ecke scheidet ganz schnell aus, man weiß ja nicht was der schon erlebt hat und am Ende kommt der mit Kindern nicht zurecht oder hat sonst eine Macke? Außerdem sollen die Kinder das Aufwachsen eines Welpens mit erleben, der Hund soll in die Familie „hineinwachsen“! Die Recherchen vertiefen sich; es geht um die Frage welcher Rasse das zukünftige Familienmitglied angehören soll. Cordula plädiert für einen kleinen, kinderfreundlichen Hund, vielleicht einen Malteser? Marcel hätte lieber was größeres, wachsames, vielleicht einen Hovawart? Die Kinder haben gerade im Fernsehen 101 Dalmatiner gesehen und möchten einen Dalmatiner. Der Familienrat wird einberufen (schließlich müssen später die Großeltern vielleicht mal tageweise auf den Hund aufpassen); Cordulas Vater war früher bei der Polizei, für ihn steht fest, dass nur der deutsche Schäferhund in Frage kommt; Marcels Mutter findet die ganze Idee völlig absurd sich neben Job, Haus, Garten und Kindern auch noch einen Hund ans Bein zu binden. Nach mehreren hitzigen Diskussionen, etlichen Litern Tränen, mehreren Rechercheaufträgen, drei Testamentsänderungen, zwei Vertagungen und einem Besuch beim Mediator steht fest: Es wird ein Golden Retriever. Diese Rasse gilt als familienfreundlich und arbeitsam, Marcel kommt sich nicht „albern“ vor weil er mit einem „Zwerg“ spazieren geht, Cordula gefällt die Optik, Cordulas Vater hat einen Kollegen der für die Rasse schwärmt, die Kinder finden die Idee ein „Eisbärbaby“ aufzunehmen großartig, und Marcels Mutter hat längst die Flinte ins Korn geworfen. 

Übers Internet ist schnell ein passender Züchter gefunden, der wie es der Zufall will auch gerade einen Wurf vier Wochen alte Welpen hat. Natürlich familiäre Aufzucht, Hobbyzucht, prämierte Elterntiere. Die gesamte Familie wird ins Auto verfrachtet und fährt los, um das zukünftige Familienmitglied zu begutachten. Spätestens beim Anblick der flauschigen Fellknäule ist alles zu spät; die Kinder gehen in die Knie, Cordula und Marcel auch. Die Züchterin erzählt etwas von gewonnen Auszeichnungen, auch Geld wird kurz thematisiert, interessiert aber eigentlich schon keinen mehr, die Entscheidung ist gefallen. Von den sechs Welpen sind fünf bereits vergeben, nur einer ist noch zu haben, ein kleiner Rüde, der nun bereits auf Cordulas Schoß eingeschlafen ist. Rasch wird man sich einig; in vier Wochen kann der Hund einziehen.

Die vier Wochen Wartezeit werden genutzt um jegliche Literatur zu verschlingen die es zum Thema Hundeerziehung, Hundefütterung, und Golden Retriever insgesamt zu erwerben gibt, ferner werden gekauft: Drei Hundebettchen (eins fürs Wohnzimmer, eins fürs Schlafzimmer, eins als Reserve), vier Hundenäpfe (Wassernapf fürs Wohnzimmer, Wassernapf fürs Schlafzimmer, Autofahrnapf der gegens Umkippen gesichert ist, und ein Futternapf), ein Arsenal an Spielzeug, zwei Hundebürsten, eine lange Leine, eine kurze Leine, eine Flexileine, ein Halsband und ein Geschirr (passend für den Welpen – später wird man was größeres brauchen), ein großer Sack des von der Züchterin empfohlenen Futters, und Leckerlis, denn die braucht man zur Erziehung (hat Marcel gelesen). Cordula stolpert darüber dass die Bücher einander durch die Bank weg widersprechen, aber egal, wird sich im Alltag schon klären.

Mit den Kindern zusammen wird über den Namen des neuen Familienmitglieds diskutiert, die Kinder sind für Pongo (so heißt schließlich der Dalmatinervater im Film), Cordulas Vater sagt ein richtiger Hund heißt „Hasso“ oder „Waldmann“, Marcel findet „Herr Meier“ oder „Kai-Uwe“ lustig, letztenendes schlägt Carola mit der Faust auf den Tisch und bemerkt dass man den Namen gut rufen können muss ohne dabei zu lachen oder zu weinen und schlägt „Carlo“ vor.

Schneller als gedacht ist der große Tag da, Carlo zieht ein, und die ersten Tage sind so wie es sich alle erträumt haben: Carlo spielt mit den Kindern, lernt schnell wie es mit der Stubenreinheit funktioniert, ist so niedlich dass man ihm keinen Wunsch abschlagen kann, wird von der Tierärztin als kerngesund eingestuft, und ist in der Welpenschule der Klassenstreber; er beherrscht „Sitz“, „Platz“ und „Komm“ schneller als alle anderen, rennt begeistert und spielbereit zu jedem Hund und jedem Menschen hin, begrüßt alle und schließt alles und jeden sofort in sein Herz. Alle sind begeistert, selbst Marcels Mutter kann Carlo nicht widerstehen, er liegt bei ihr auf dem Sofa und lässt sich den Bauch kraulen.

Als Carlo vier Monate alt ist, fährt die ganze Familie für zwei Wochen nach Dänemark, großartig, Carlo ist der Star auf allen Urlaubsbildern, rennt die Dünen rauf und runter und spielt unermüdlich mit den Kindern am Strand.

Doch dann, Carlo ist ein knappes halbes Jahr alt, fangen die ersten Probleme an. Er fängt an, beim Urinieren das Bein zu heben, und er bespringt und rammelt die Kinder. Fremden Hunden begegnet er nicht mehr unterwürfig-freundlich, sondern mit erhobener Rute und durchgestreckten Beinen, was ihm schnell die ersten unschönen Begegnungen einbringt. Cordula und Marcel verstehen nicht, was los ist, Carlo ist immer freundlich und verspielt mit anderen Hunden; sicher liegt das Problem beim anderen Hund, nicht bei Carlo! Ebenfalls neu ist Carlos Tendenz, weg zu laufen. Alles, was er in der Hundeschule gelernt hat, scheint vergessen zu sein. Er nutzt jede Gelegenheit, um abzuhauen: Durchs Gartentor welches der Postbote offen gelassen hat, beim Spazierengehen wenn eine interessante Fährte seinen Weg kreuzt, selbst wenn er mit seinen „Hundekumpels“ spielt passiert es dass er auf und davon ist. Die Familie ist entsetzt und verzweifelt, einerseits aus Sorge um das „dritte Kind“, die Autobahn ist nicht fern und mit dem zuständigen Jagdpächter ist was wildernde Hunde angeht auch nicht zu scherzen, andererseits schwingt aber auch eine gewissen Unmut mit dass der Hund, der zuhause alles hat was er braucht und dem jeder Wunsch von der Nasenspitze abgelesen wird, so undankbar und stur ist und abhaut!

Der konsultierte Hundetrainer sagt, das ist die Pubertät, durchhalten ist angesagt, konsequent sein, irgendwann ist diese Phase vorbei. Der befragte Tierarzt schlägt vor, Carlo zu kastrieren, dann würde zumindet das Rammeln der Kinder und das Weglaufen auf Freiersfüßen entfallen; jagdliche Tendenzen wären allerdings dieselben und selbstverständlich ersetze die Kastration nicht die Erziehungsarbeit! – das ist nun beides nicht die schnelle Lösung die Marcel und Cordula sich erhofft hatten. Sie durchforsten das Internet, irgendwie muss es sie doch geben, die rasche Lösung, die das Problem über Nacht aus der Welt schafft…!

Während der Recherchearbeiten und des Hände-überm-Kopf-zusammen-schlagens ohne dass sich im Alltag irgendetwas verändert, kündigt sich das nächste Problem an: Carlo knurrt, wenn jemand zu nah an ihm vorbei geht während er frisst oder ein Kauspielzeug hat. Die Sache eskaliert als Carlo eine Serviette klaut und Cordula sie ihm wegnehmen möchte: Er „schnappt“ nach ihr! Nun ist es mit der Geduld vorbei. Der niedliche Welpe, dem die Welt zu Füßen gelegt wurde, hat sich in ein undankbares, weglaufendes, bissiges Raubtier verwandelt! Bevor nun um Gottes Willen den Kindern etwas passiert, muss man als verantwortungsbewusstes Elternpaar den Hund selbstverständlich abgeben!

 

 

Und so sitzt Carlo nun im Tierheim um die Ecke… Wo sich so schnell niemand finden wird, der ihn nimmt, denn er ist ja ein Hund mit einer „Vorgeschichte“ und „wer weiß welchen Macken“.

Was möchte ich mit dieser Geschichte sagen?

Ganz vieles.

Ganz vieles, was eigentlich für niemanden neu oder besonders sein sollte. Hundeerziehung ist ein hartes Stück Arbeit. Es ist nicht mit „liebhaben“ und „Kekse füttern“ getan. Grenzen setzen gehört dazu, auch wenns nicht immer schön ist, für den Hund klar einschätzbar und souverän sein gehört dazu. Der Hund wird immer uns und unseren Umgang mit ihm spiegeln. Wenn wir dem Hund die Information geben, ihm gehöre die Welt und er sei für uns verantwortlich, so wird er dem nachkommen. Er wird uns einengen, uns Grenzen setzen, und versuchen die Dinge zu regeln die wir scheinbar nicht selber regeln können. Carlo kann nicht wissen, dass Jagen nicht erwünscht ist, da es ihm niemand für ihn verständlich erklärt hat. Von Anfang an wurde Carlo jeder Wunsch sofort erfüllt, er hat im Schlaraffenland gelebt, es gab zwei mal täglich Festtagsmenu sowie Streicheleinheiten und Spielen sobald er es wollte; offensichtlich war er der Herr im Haus, warum sonst sollten alle nach seiner Nase tanzen, und was zum Teufel ist Cordula da bloß eingefallen, ihm, dem Chef, die Serviette wegzunehmen? Er MUSSTE sie maßregeln, durfte dieses unverschämte Verhalten nicht dulden!

Das ist (hoffentlich) für niemanden mehr neu.

Ein ganz anderer Gedanke (und jetzt wird ein Teil von Ihnen mich gleich für bescheuert erklären) ist der:

Muss jeder Neuhundehalter mit einem Welpen anfangen? Ist nicht gerade die Erziehung und Ausbildung eines jungen Hundes etwas, was man in erfahrene Hände legen sollte? Natürlich sind Welpen süß und machen Freude, aber nach der Welpenzeit kommt die rüpelige Phase, auch „Sturm-und-Drang-Phase“ genannt, und die macht wirklich keinen Spaß. Hier entscheidet sich maßgeblich, wie die Zukunft aussieht, und man braucht in dieser Phase Fingerspitzengefühl, eine Riesenportion Durchhaltevermögen (nämlich immer etwas mehr als der Hund) und ein dickes Fell. Dagegen kann es wie „Urlaub“ anmuten, einen erwachsenen Hund aufzunehmen, einen, der in seiner Persönlichkeit gefestigt ist, keinen jugendlichen Übermut mehr in sich trägt, und etwas weniger überschäumt vor Energie. Damit will ich nicht sagen, dass man erwachsene, gut ausgebildete Traumhunde an jeder Ecke findet (schön wärs!), aber die Tierheime sind voll von „Carlos“ und anderen Hunden die gern eine zweite Chance hätten. Und auch wenn diese Hunde „Baustellen“ haben (der eine jagt vielleicht leidenschaftlich, der nächste kann vielleicht nicht alleine bleiben, der dritte wiederum mag keine anderen Hunde), sind diese Tiere „aus dem gröbsten“ raus; es ist keine Pubertät mehr zu erwarten, und es sind weniger (!) Überraschungen zu erwarten da die erwachsenen Tiere „fertig“ sind mit ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Der Hund, den Sie kennen lernen, ist der Hund, den Sie bekommen. Ein Welpe ist in gewissen Weise immer eine „Katze im Sack“ und kann sich in alle Richtungen (sowohl die erwünschte, als auch ganz viele unerwünschte) entwickeln.

Ein vielleicht etwas ungewohnter und provokanter Gedanke – aber dafür sind wir In der Tat Hund! – Rückmeldungen und Weiterverfolgen des Gedankens ausdrücklich erwünscht!

 

 

Aus gegebenem und sich häufendem Anlass:
„Mein Hund ist toll erzogen, er kann nämlich SITZ“

Was stimmt an dieser Aussage nicht???? Und was bedeutet SITZ eigentlich genau???

SITZ heißt streng definiert nichts Anderes als: „Mach beim ersten Ertönen des Wortes SITZ den Hintern auf den Boden, lass dabei deine Vorderbeine durchgestreckt und bleibe in dieser Position so lange ruhig und stationär, bis ich dir was Anderes sage“. SITZ beschreibt also eine rein äußere Form.

Hm, o.k., das mit dem „bei ersten Hören dieses Wortes“ ist eher selten. Genauso wie „bleibe so lange in dieser Position, bis ich was Anderes sage“. Das können die meisten Hunde eher nicht zuverlässig ausführen. Von „ruhig und stationär“ mal ganz zu schweigen.
Für die meisten Hunde ist SITZ das, was Menschen ihnen beibringen: „Mach irgendwann nach vielen Wiederholungen des Wortes SITZ in sich steigernder Laustärke und sinkender Freundlichkeit kurz den Hintern auf den Boden und ergattere ein überschwängliches Lob, das dich sofort dazu bringt, wieder aufzustehen“

Und was wollen wir Menschen eigentlich mit SITZ erreichen????
Z. B., dass der Hund aufhört, herum zu hibbeln, dass er aufhört zu bellen, zu ziehen, zu betteln, zu drängeln, dass er aufhört anzuspringen, dass er aufhört, beim Erblicken von Außenreizen hochzufahren. Etc. etc. Die Liste könnte noch ellenlang so weitergehen.
Das führt so weit, dass am Wegesrand lauter Menschen mit sitzenden Hunden parken und keiner in der Lage ist, sich weiter fortzubewegen, weil SITZ ihnen als die einzige Kontrollmöglichkeit erscheint 😉

Und komisch,- eigentlich wollen wir immer, wenn wir SITZ sagen, dass der Hund mit etwas aufhört, was uns (oder/und andere) stört. Warum aber um Himmels Willen kommunizieren wir das nicht???
Was Hunde an „Information“ im Alltag tatsächlich bekommen ist: „Mach den Hintern auf den Boden“. Es bedeutet NICHT: „Hör auf mit deinem schlechten Benehmen“

SITZ hat rein GAR NICHTS mit Erziehung zu tun.

Erziehung bedeutet nämlich nicht, seinen Hintern auf dem Boden zu parken und dabei trotzdem ausgesprochen unhöfliche oder auch unfreundliche Gedanken zu hegen und nur auf den Moment zu warten, wann man diese endlich in die Tat umsetzen kann.
Nur weil wir als Kind gelernt haben, das „saubere Händchen zu geben“ heißt das noch lange nicht, dass wir als Erwachsene keine Steuern hinterziehen oder Omas berauben.

Das lernen wir im besten Fall, wenn uns jemand die Regeln des sozialen Umgangs beigebracht hat und es diesem Jemand nicht gereicht hat, dass wir nur brav die Hand geben. Dieser Jemand war im besten Fall für uns auch mal unbequem, denn Erziehung ist nicht immer nur schön, und dieser Jemand hat im besten Fall auch mal Entscheidungen getroffen und durchgehalten, die uns total genervt haben, denn dann können wir jetzt auch mal Situationen ertragen, die uns nerven, ohne gleich durchzudrehen.

(M. Hees, Januar 2019)

 

Weg gegangen, Platz vergangen…

Wir Hundebesitzer kennen es alle,- dieses Geräusch, das uns aus dem tiefsten Schlaf in Sekundenschnelle hochfahren und handeln lässt, obwohl es meist eh zu spät ist: das abgehackte, dumpfe Würgen kurz vorm Erbrechen. Man gibt sein Bestes, um den Hund noch durch die Tür nach draußen oder eine waschbare Unterlage unter die Schnauze zu schieben, aber meist ergießt sich ein großer Schwall an Ekligem auf den einzigen Teppich oder Läufer im Raum.
Es gibt aber auch noch eine andere Form des Terrors: das ziellose Tapern von Hundepfoten auf Fußböden. Dabei dauert es meist länger, bis das menschliche Unterbewusstsein zu dem Schluss kommt, dass der Hund mal müssen könne. So war es heute Nacht bei mir. Trulli taperte und taperte und ich wachte dann irgendwann auf, ging mehr oder weniger blind zur Tür, öffnete sie und hörte dann aber nicht vor mir und draußen weitere Schritte, sondern hinter meinem Rücken und drinnen. Als ich dann schaute, was los war, sah ich es: EIN DICKER, WEISSER, PELZIGER HINTERN LAG AUF MEINEM KOPFKISSEN!
Für alle, die jetzt auf ein Happy End hoffen: Nein, Trulli hat die Nacht nicht alleine in meinem Bett verbracht und wir haben die Nacht auch nicht zusammen dort verbracht. Das ist Trulli (!) zu eng.
(30.12.2018)

 

 

Ein spannender Monat, der Dezember!

Im Dezember ist bei uns Menschen jede Menge los. Adventszeit, Weihnachten, und Jahreswechsel – alles in einen Monat gestopft! Auch für unsere Hunde ist das kein Monat wie jeder andere. Viele Hunde genießen natürlich die Feiertage an denen „ihre“ Zweibeiner mehr zuhause sind und vielleicht auch mal einen besonderen Weihnachtsspaziergang unternehmen, aber in erster Linie bedeutet vor allem Silvester für die Hunde eher Stress und Angst.

Viele der Leckereien die wir in der Vorweihnachtszeit so zu uns nehmen bedeuten für uns lediglich Hüftgold, sind für unsere Vierbeiner aber wirklich gefährlich. Weder Schokolade noch Kekse noch Marzipan oder gar Alkohol haben etwas in einem Hundemagen zu suchen; schon gar nicht inklusive Verpackung.

 

Daher sollte man sehr genau überlegen ob man Bello mit dem Plätzchenteig alleine lässt oder ob man den Keksteller vielleicht lieber nicht auf dem Couchtisch stehen lässt wenn man das Haus verlässt und Hasso allein ist. Die meisten Hunde werden sich nichts aufs Bewachen der Backwaren beschränken. Sollte es dennoch passieren und der Hund verputzt etwas das nicht für ihn bestimmt war, zögern Sie nicht, Ihren Tierarzt anzurufen und ihn nach weiteren Schritten zu befragen, insbesondere wenn der Hund Plastikverpackungen gefressen haben könnte, es sich um alkoholische Leckereien gehandelt hat, oder aber auch wenn Schokolade im Spiel war: Je dunkler die Schokolade, desto höher ist der Gehalt an Theobromin, jener Substanz die für Hunde gefährlich ist. Wenn zwischen dem Gelage und dem Entdecken desselben noch keine Stunde vergangen ist, kann der Tierarzt den Hund zum Erbrechen bringen und so das schlimmste in aller Regel verhindern. Ist das Malheur länger her, muss „alles“ den kompletten Magen-Darm-Trakt passieren; je nachdem was gefressen wurde muss der Hund tierärztlich behandelt werden. Sollte Plastik im Darm stecken bleiben kann es lebensgefährlich werden wenn es zum Darmverschluss kommt.

 

Aber Hunde fressen nicht unbedingt nur Dinge die Menschen essen – auch Kerzen oder Weihnachtsdekoration finden manche Hunde köstlich. Auch hier gilt: Überlegen Sie, welchen Hund sie womit unbeaufsichtigt lassen können und auch wenn normalerweise gilt „im Zweifel für den Angeklagten“ würde ich lieber ein mal zu oft etwas wegräumen als ein mal zuwenig (zumal ich letztes Jahr gelernt habe dass „Tierarzt sein“ einen nicht davor schützt einen Hund zu haben der Marzipanbrot samt Verpackung frisst – aber das ist eine andere Geschichte…). Auch vom Festessen braucht der Hund nichts abzuhaben. Weder fette Gans noch Würstchen und Kartoffelsalat haben im Hundemagen etwas zu suchen; am Ende sind Sie es, der den Hundedurchfall auszubaden hat.

 

Ist Weihnachten überstanden, steht Silvester bevor. Während wir Zweibeiner uns zumeist an Silvester vergnügen, bedeuten die Raketen und Böller für viele Hunde die Hölle (nebenbei, für die allermeisten Wildtiere auch, aber das ist ein anderes Thema…). Wenn man nicht die Möglichkeit hat, über Silvester mit dem Hund irgendwo hin zu fahren wo nicht geballert wird, sollte man sich im Vorwege Gedanken machen wie man Silvester durchsteht. Optimal ist natürlich wenn man dem Problem verhaltenstherapeutisch beikommen kann, das ist jedoch gerade bei Silvesterangst nicht ganz einfach. Von naturheilkundlichen Maßnahmen über Beruhigungsmittel bis hin zu angstlösenden Medikamenten gibt es aber auch viele andere Möglichkeiten dem Hund diese Nacht zu erleichtern. Allerdings müssen nahezu alle Präparate bereits einige Tage vor Silvester angefangen werden einzunehmen sodass man sich rechtzeitig, am besten bereits Anfang Dezember, beim Tierarzt beraten lassen sollte. Das Wichtigste ist jedoch – wenn Ihr Hund schreckhaft / ängstlich auf die Böller reagiert, lassen Sie ihn am besten bereits einige Tage vor und nach Silvester nicht mehr ohne Leine laufen da es ja leider immer mehr Subjekte gibt die die Böllerei nicht auf die Silvesternacht beschränken. Und lassen Sie Ihren Hund an Silvester nicht allein. Gerade in solch einer Ausnahmesituation braucht er Sie als sozialen Halt!

Wir von In der Tat Hund wünschen Ihnen eine ruhige, besinnliche Weihnachtszeit mit Ihren Vierbeinern, einen guten und angstfreien Rutsch ins neue Jahr, und hoffen Sie auch nächstes Jahr zahlreich auf unseren Veranstaltungen empfangen zu können!

 

                                                                                                                                                                                       September 2018

Dunkel war’s, der Mond schien helle…

Oder auch nicht so helle, neulich. In diesem Fall war ich mal ohne Hunde, dafür per Fahrrad, unterwegs. Es war kurz nach acht am Abend und schon richtig dunkel. Während ich gerade überlegte dass die Sicht trotz Fahrradlicht echt schlecht war, hörte ich ein „sssst“-Geräusch das jeder Hundehalter sofort als Flexi-Leinen-Sound erkennt. Reflexartig gebremst; und keine Sekunde zu früh – ein kleines schwarzes Hündchen sauste, von einer sich einrollenden Flexileine beschleunigt, ungefähr zwei Meter vor meinem Fahrrad quer über die Straße. Ich hatte weder das Hündchen (schwarz) noch den dazugehörenden Menschen (schwarz gekleidet) noch die zwischen beiden quer über die Straße gespannte Leine (dunkel) auch nur ansatzweise gesehen!

In diesem Fall ist alles gut gegangen; aber es hätte alles mögliche passieren können – die Leine hätte sich im Rad verfangen können, der Hund hätte verletzt werden können, ebenso hätte ich stürzen können. Der einzige Beteiligte dem wohl nichts passiert wäre, ist der Hundehalter, der die riskante Situation verursacht hat.

Daher ein kleiner Appell im Sinne der eigenen Sicherheit und der Sicherheit anderer: Immer an gute Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit denken! Für die Hunde empfehlen sich „Leuchties“ oder „Leuchtwesten“, und als Mensch kann man, wenn man aus modischen Gründen nicht auf eine Warnweste zurück greifen möchte, Leuchtstreifen an sich anbringen oder zumindest helle Farben tragen (ein beiger Trenchcoat schmückt ungemein!).

 

 

August 2018

Hunde im Sommer – See ja, Auto nein?

Nein, keine Sorge, wir reihen uns jetzt nicht in die Reihe von den Hunderttausend Quellen ein, die jedes Jahr wieder propagieren dass man Hunde im Sommer nicht im Auto zurück lässt da das zur Sauna wird. Wir glauben (hoffen) dass diese Tatsache jedem denkenden Hundebesitzer klar ist. Aber es gibt auch noch ein paar andere Sachen, die man im Sommer beachten sollte, und die nicht ganz dieselbe Medienpräsenz aufweisen.

Zum Beispiel die Sache mit dem Fahrrad. Mit Hunden radeln ist toll und macht Spaß, aber während Mensch vom Fahrtwind gekühlt wird, läuft der Hund im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Wer im Sommer mit seinem/n Hund/en radeln gehen möchte, sollte dies daher auf die kühlen Morgen- oder Abendstunden legen und Tempo und Strecke dem Trainingszustand des Hundes anpassen (wer im Winter immer nur die Pipirunde dreht startet besser nicht aus dem Stand eine 20km-Fahrradtour). Gleiches gilt natürlich für jegliche andere Aktivität genauso (zB Inlineskaten, Wanderungen, etc). Aber auch auf dem Hundeplatz (nicht das Bettchen, sondern da, wo man Sport macht) sollte man die Temperaturen im Blick behalten und sich überlegen welche Aktivitäten für welches Wetter geeignet sind. Bei 30° in praller Sonne einen Agility-Parcours in Angriff zu nehmen ist eher suboptimal, wohingegen nichts gegen kleine Suchspiele oder Konzentrationsübungen im Schatten einzuwenden ist. Faustregel: Zehn Minuten Nasenarbeit machen Hund so müde wie eine Stunde laufen.

Und natürlich treibt es bei Hitze und Sonne Mensch und Hund gen Badesee. Absolut verständlich und eine tolle Abkühlung für beide! Auch hier gibt es aber ein paar Sachen zu beachten. Hunde, die Wasser nicht kennen, sind zu Beginn oft vorsichtig. Das ist völlig in Ordnung! Freundliches Locken oder einfach Vorausgehen kann dem Hund vermitteln, dass das Wasser nicht beißt, und man sogar Spaß haben kann. Man sollte jedoch darauf verzichten einen sich sträubenden Hund ins Wasser zu tragen oder ähnliches. Nicht nur dass der Hund in dem Moment Angst hat und ein Vertrauensverlust gegenüber dem Menschen zu befürchten ist; er wird auch in Zukunft nicht eher in Wasser gehen sondern es im Gegenteil noch mehr meiden. Aber auch das Gegenteil kann zum Problem werden, wenn Hund das Wasser abgöttisch liebt und kein Ende findet beim Herumtoben / Apportieren / wasauchimmer, drohen am nächsten Tag Überlastungserscheinungen bis hin zur sogenannten „Wasserrute“. Hier ist also der Mensch gefragt, seine Wasserratte, pardon Wasserhund, davon abzuhalten sich völlig zu verausgaben. Pausen an Land im Schatten sind auch schön, besonders wenn sich dann so ein nasskalter Hund an einen lehnt und keine Ahnung davon hat wie nasse Hunde für Menschennasen riechen…

Und eines noch, auch wenn das eigentlich für jeden selbstverständlich ist. Wir Hundehalter teilen die Badegelegenheiten mit anderen Menschen (auch diesen komischen, die keinen Hund haben). Gegenseitige Rücksichtnahme und vorausschauendes Denken und Handeln sollte zumindest uns Hundehalter auszeichnen, damit wir jenen, die Hunde und ihre Halter nicht mögen, keinen Vorschub in ihrer Denkweise leisten. Wenn ein Mensch, insbesondere ein Kind, Angst vor unserem/n Hund/en hat, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, Abstand zu halten, den/die Hund/e ggf anzuleinen, und eine Lösung zu finden wie alle Parteien zu ihrem Recht bzw ihrem Wunsch, entspannte Badespaß zu genießen, gelangen. Genauso dürfen wir natürlich nicht zulassen, dass unsere Hunde die Natur in irgendeiner Form stören – Enten etc sind nicht zum Jagen da. Da viele Tiere, die am Wasser leben, Schilfgürtel und andere wassernahe Vegetation als Rückzugsort nutzen, sollte man darauf Rücksicht nehmen und die „nasenbasierte Suche“ in diesen Gebieten verhindern.

 

 

Mai 2018, Jule Wülfken

Ein Hundehalter im Baumarkt…

Als Amber gerade erst einige Wochen bei lebte, war ein Besuch im Baumarkt fällig, ich brauchte Farbe und einen Pinsel (man merkt, mein Haushalt war noch nicht besonders gut ausgestattet). Da wir danach noch mit Freunden und deren Hunden spazieren gehen wollten,und zu Übungszwecken, nahm ich Amber mit. Sie fuhr wie immer tadellos im Auto mit, eine der Sachen die sie von Anfang an machte wie ein Profi, und betrat gesittet mit mir den Baumarkt. Wir steuerten die Übersichtstafel an um zu sehen wo Malerbedarf zu finden war. April april, im ersten Stock! Wir hatten uns den vermeintlich einzigen Baumarkt der Bundesrepublik ausgesucht, der sich auf zwei Geschosse erstreckte! Egal, dann halt hoch. Ich bin bis heute froh dass ich mein dummes Gesicht nicht sehen musste, als ich feststellte, dass es weder ein klassisches Treppenhaus gab, noch einen Aufzug, sondern lediglich eine Rolltreppe. Auf diese wollte ich Amber natürlich nicht stellen, sie sollte nicht der nächste Hund sein der auf der Rolltreppe eine Kralle verliert. Sie ins Auto zurück zu bringen war ebenfalls keine Option, da sie noch nicht allein im Auto warten konnte. Also schnappte ich sie mir kurz entschlossen, nahm 25kg Amber auf den Arm, und stellte mich mit ihr auf die Rolltreppe. Wer das nun für eine tolle Zirkusnummer hält, hat uns auf dem Weg nach unten nicht gesehen: Ich hatte (logisch) keinen Einkaufskorb oder Tasche oder irgendwas dabei (brauchte ja NUR einen Eimer Farbe und einen Pinsel…) sodass auf dem Rückweg nicht nur in meiner Ellenbeuge ein Litereimer weißer Farbe baumelte und ich einen Schäferhund auf dem Arm hielt, nein, zudem steckte ein Pinsel quer zwischen meinen Zähnen (wohin sonst damit…).

Ich habe diesen Baumarkt nie wieder betreten.

 

 

April 2018, Jule Wülfken

Frühjahr – die Zeckensaison beginnt!

Frühling – nicht nur Mensch und Hund zieht es nach draußen, nein, auch diverse „Vielbeiner“ verlassen ihre Winterquartiere und teilen Wald und Feld mit uns. Einige sind hübsch, nützlich, oder einfach ein wenig lästig – ich denke da spontan an Pferdebremsen oder Schmeißfliegen – manche sind aber einfach nur überflüssig (Entomologen und Arachnologen die dies zufällig lesen mögen mir verzeihen).

Zum Beispiel Zecken. Diese sind nicht nur lästig (und in den Augen mancher eklig), sondern können in ihrer Funktion als Vektor, sprich als Überträger von Krankheiten, wirklich gefährlich werden. Die häufigste Zecke bei uns in Deutschland ist der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Das sind im vollgesogenen Zustand diese grauen „Perlen“ die wohl jeder Hundehalter schon mal gefunden (oder aus Versehen zertreten und dann stundenlang den Teppich gereinigt) hat. Ixodes überträgt zB Borreliose, aber auch Anaplasmose. Weiterhin gibt es bei uns die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), welche Babesiose überträgt. Außerdem sei noch Rhipicephalus sanguineus genannt, die braune Hundezecke. Diese ist in Deutschland eigentlich nicht heimisch, fühlt sich eher in wärmeren Regionen wohl, kann aber „am Hund“ oder im Reisegepäck eingeführt werden und überlebt in geheizten Räumen (Wohnhaus, geheizte Zwinger). Rhipicephalus überträgt diverse Krankheitserreger, beispielsweise Ehrlichien, Babesien, Rickettsien.

Ein zuverlässiger Zeckenschutz ist also nicht allein im Sinne des Menschen wichtig (der keine Zecken in seinem Haushalt finden möchte) sondern dient auch der Vorbeugung von zeckenübertragenen Krankheiten beim Hund selber.

Wirklich sicheren Schutz garantieren nur Präparate, die man beim Tierarzt kaufen kann. Die Anti-Zecken-Präparate aus dem Zoohandel enthalten entweder gar keine wirksamen Substanzen, oder in zu geringer Dosierung (weswegen sie dann frei verkäuflich sind und nicht wie die beim Tierarzt zu erwerbenden Präparate apothekenpflichtig!). Grundsätzlich gibt es drei „Formulierungen“, wie die wirksamen Mittel an bzw in den Hund kommen.

Möglichkeit eins (für Vergessliche), das Halsband. Vorteil: Die Wirkung hält 6-8 Monate vor, man kann es also zum Frühjahr anlegen, zum Herbst abnehmen, und ist über die ganze Saison geschützt. Nachteil: Es befindet sich ständig am Hund, stört also vielleicht beim Streicheln / Kuscheln, und der Hund sollte damit nicht in Gewässer gehen da sich dann der Wirkstoff auswäscht.

Möglichkeit zwei: Ein Spot-On-Präparat. Hier wird eine definierte Menge wirkstofftragender Flüssigkeit in den Nacken des Hundes auf die Haut aufgetragen und verteilt sich über den Fettmantel der Haut. Vorteil: man hat kein (evtl störendes) Halsband am Hund. Nachteil: Man muss alle vier Wochen daran denken es wieder aufzutragen, und man sollte den Hund nach dem Auftragen ca acht Stunden nicht streicheln damit der Wirkstoff sich verteilen kann (also am besten abends vor dem Schlafengehen auftragen).

Möglichkeit drei (für Pragmatische), die Tablette. Vorteil: Man hat gar nichts „außen“ am Hund, von daher perfekt für Hunde die viel in Gewässer gehen. Nachteil: Im Gegensatz zu den gängigen Halsbändern und Spot-On-Präparaten haben die per Tablette verabreichten Substanzen keinen repellierenden Effekt, das heißt, dass die Zecken nicht schon aus der Distanz sagen „der Hund schmeckt nicht“, sondern sie müssen den Hund einmal stechen, und sterben dann beim ersten Blutkontakt. Das reicht völlig aus, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern (dazu muss die Zecke mehrere Stunden saugen), aber es kann passieren dass man zuhause am Hund noch kleine Zeckenleichen findet, oder dass der Hund noch lebende krabbelnde Zecken (die noch keine geeignete Stelle zum Stich gefunden haben) mit in den Hausstand bringt.

Für was man sich entscheidet ist letztlich eine Geschmackssache und vom individuellen Hund (und Mensch) abhängig.